Verlieren Sie 3/4 der Bewerber wegen Ihrem Bewerbermanagement-Tool?

Lange Formulare mit unnötigen Feldern schrecken jeden Besucher einer Website ab. Das gleiche gilt für die Bewerber auf Ihrer Karrierewebsite. Können Sie es sich leisten, diese immer noch zu schikanieren?

Eigentlich entspricht es dem gesunden Menschenverstand: Je mehr Aufwand wir für etwas betreiben müssen, umso mehr Motivation braucht es dazu. In der Welt des Online-Marketings ist schon lange bekannt und durch zahlreiche Studien belegt, dass lange Formulare die sogenannte Conversion killt. Je mehr Felder die Besucher einer Website ausfüllen müssen, desto mehr springen ab und gehen als Kunden verloren. Dies lässt sich ganz einfach mit einem A/B-Test überprüfen: Der Hälfte der Besucher wird ein kurzes Formular präsentiert, der anderen ein langes. Anschliessend überprüft man den Prozentsatz der Besucher, welche man zu Kunden konvertieren konnte. Insbesondere Betreiber von Online-Shops sind natürlich stetig darum besorgt, eine möglichst höhe Conversion Rate zu erzielen.

Da wir bekanntlich aus eigener Erfahrung mehr lernen als aus überliefertem Wissen, haben wir von Eqipia dieses Phänomen vor kurzem selber getestet. Via E-Mail, Xing und Linkedin haben wir HR-Professionals auf unser neues eBook «6 Gründe, weshalb Stellenanzeigen nicht funktionieren» aufmerksam gemacht. Mit einem Klick gelangten die Interessenten auf eine spezielle Website, wo sie das eBook downloaden konnten. Dafür mussten sie lediglich ihre Mailadresse angeben. Mittels A/B-Testing haben wir jedoch jedem dritten Besucher zufälligerweise eine andere Seite angezeigt. Diese unterschied sich einzig in einem Detail: Statt nur der Mailadresse mussten die Besucher zusätzlich ihren Vornamen, Namen und das Unternehmen angeben, um das eBook runterzuladen.

Auf der regulären Download-Seite konnten wir zu unserer Zufriedenheit eine hohe Conversion Rate von 43% verzeichnen. Und nun raten Sie bitte, wie viel Prozent der Besucher das eBook runtergeladen haben, wenn sie eigentlich nur 3 Felder mehr ausfüllen mussten: 30%? 25? Nein, lediglich 11%…

Es handelte sich dabei wie gesagt nur um einen kleinen Test. Wir haben mit diesem Resultat gerechnet, auch wenn nicht so deutlich. Für uns bringen die zusätzliche Angabe von Vorname, Name und Unternehmen sowieso nichts, denn diese Information lässt sich aus der regulären Mailadresse herauslesen. Es ist absolut fahrlässig, von unseren Besuchern zusätzliche Informationen zu verlangen, welche uns nichts nutzen, aber die Besucher abschrecken. Wer eine Website betreibt, muss sich also sehr gut überlegen, welche Informationen er effektiv braucht.

Was können wir aus dieser Erfahrung für das Recruiting lernen? Können Sie es sich noch leisten, potentielle Bewerber mit einem Formular abzuschrecken und zu vergraulen? Stellen Sie sich vor, dass Sie schon lange händeringend nach einem Talent suchen und keinen (finanziellen) Aufwand scheuen. Dann landet die bestens zu Ihrer offenen Stelle passende Fachkraft über irgendwelche Kanäle endlich auf Ihrer Karriere-Website. Und was präsentieren Sie ihr da? Machen Sie es Ihrem Traum-Bewerber so einfach wie möglich, sich zu bewerben? Oder muss er zuerst 1/2 Seite rechtliche Hinweise lesen und bestätigen, dann ein Benutzerkonto anlegen und anschliessend seitenweise Formularfelder mit CV-Daten ausfüllen?

Sie mögen nun einwenden, dass man unsere Erfahrung nicht auf den Bewerbungsprozess anwenden könne. Der Bewerber wolle doch die Stelle und nehme drum diesen Aufwand problemlos auf sich. Aber wissen Sie das wirklich oder glauben Sie es einfach? Kann es sein, dass aufgrund von ein paar unnötigen Feldern sich nur 11% statt 43% der Interessenten tatsächlich bewerben? Ausserdem stammt diese Denkhaltung noch aus den Zeiten, als die Recruiter sich zurücklehnen und auf die eintreffenden Bewerbungen warten konnten. Mit anderen Worten: Sie diktieren die Bedingungen und der Kandidat kann froh sein, dass er sich bewerben darf? Dann sollten Sie sich aber nie mehr über Fachkräftemangel, demographischen Wandel und War for Talents beschweren…

Überlegen Sie es sich gut: Welche Informationen benötigen Sie effektiv bei der ersten Kontaktaufnahme des Bewerbers mit Ihnen? Vielleicht ist ja der potentielle Kandidat gar nicht so aktiv auf Stellensuche und verlässt Ihre Karriereseite wieder, wenn es ihm zu mühsam wird? Wissen Sie, wie viele Bewerber in welchem Schritt des Bewerbungsprozesses abspringen? Liefert Ihnen Ihr Bewerbermanagement-Tool die notwendigen Daten, um basierend auf Fakten zu entscheiden und Optimierungen vorzunehmen?

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Über Patrick Mollet

Dr. Patrick Mollet ist Experte für Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting. Seit über einem Jahrzehnt beschäftigt er sich mit Trends und Entwicklungen in diesen Bereichen und berät Top-Unternehmen. Seine Leidenschaft sind innovative Web-Projekte.

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